Nachbarrecht

Mit den Tücken des Nachbarrechts hat sich zuweilen auch der BGH zu beschäftigen. Mit Urteil vom 11.06.2021 hatte der BGH das Selbsthilferecht des Nachbarn bei überhängenden Zweigen zu bewerten. Die Entscheidung zeigt vor allem, dass jeder Einzelfall genauestens zu prüfen ist. Hier war es so, dass ein Nachbar die Beseitigung bereits langjährig be-

stehenden Überhanges von Ästen des Nachbarbaumes verlangte. Der Beseitigungsaufforderung kam der Nachbar nicht nach, da er im Falle des Rückschnittes die Standsicherheit des Baumes als gefährdet ansah. Daraufhin wurden die Äste im Wege der Selbsthilfe abgeschnitten. Der BGH hat nun geurteilt, dass das Selbsthilferecht auch dann gegeben ist,

wenn dadurch die Standsicherheit beeinträchtigt wird und der Baum eingeht. Da allerdings die Vorinstanz nicht ausreichend berücksichtigt hatte, ob der abschneidende Nachbar durch den Überhang ausreichend beeinträchtigt war und ob

Naturschutzbelange entgegenstanden, ist hier noch Sachverhaltsaufklärung durch die Vorinstanz zu betreiben. Das Urteil zeigt einmal mehr die Unwägbarkeiten des Nachbarrechts.