Naturkost Grunwald

interview mit Marion Grunwald

Naturkost Grunwald gibt es bereits seit 1985. Wie hat sich „Bio“ in diesen 35 Jahren in der Wahrnehmung und Akzeptanz der Menschen verändert?

Meine Schwiegermutter Annette Grunwald gründete 1985 mit einer Gemeinschaft das Geschäft. Zu dieser Pionierzeit wurde sie sicherlich von vielen als „Öko“ bezeichnet. Den Kundinnen und Kunden waren Masse sowie Preis wichtiger als Qualität, Herkunft und Lieferwege. 2015 kam ich zum Bioladen und kümmerte mich um das Gemüse. Nach und nach bin ich in den Bioladen reingewachsen, bis ich ihn 2017 übernommen habe. Klimawandel und Unverträglichkeiten hatten dem Bewusstsein für „Bio“noch einmal spürbaren Auftrieb gegeben. Bis heute spüren wir einen deutlich steigenden Zuspruch.

 

Gib uns einen kurzen Einblick in dein Sortiment.

Wir verstehen uns als kleiner Vollsortimenter. Der Platz in meinem gemütlichen Ladenlokal ist begrenzt und so ist es eine meiner Herausforderungen, neben dem vielfältigen Angebot an gesunden Lebensmitteln freie Regalflächen für Naturkosmetik, Tee oder Wein zu finden. Besonders glücklich bin ich mit unserer Käsetheke. In ihr finden etwa 25-30 feine Käsesorten aus Kuh-, Schaf- und Ziegenmilch Platz. Diese werden als Hartkäse, Schnittkäse, Weich- und Frischkäse angeboten. Durch dieses abwechslungsreiche Angebot ergibt sich eine große Geschmacksvielfalt, die durch unsere Monatsaktionen immer wieder ergänzt und erweitert wird. Für Kundinnen und Kunden, die nicht auf Fleisch verzichten möchten, bieten wir einen Bestellservice für Bio-Fleisch an. Hier wird auf artgerechte Tierhaltung und ökologisches Futter geachtet und ausschließlich Fleisch von kleineren und mittleren verbandszertifizierten Bauernhöfen in den Handel gebracht. Bei uns im Bioladen erfährst du auch die Schlachttermine (Rindfleisch) unseres regionalen Lieferanten Biolandhof Overesch aus Steinfurt.

 


Für Vegetarier und Veganer führst du leckere Alternativen. Wie haben sich diese Produkte in den letzten Jahren optisch und geschmacklich verändert?

Geschmacklich haben die fleischfreien Produkte einen Quantensprung gemacht. Ich halte die aktuell verfügbaren Produkte für absolut konkurrenzfähig. Unsere Süßlupinenprodukte finde ich besonders lecker. Die Süßlupine halte ich für eine hervorragende Alternative zu importiertem Soja. Zudem ist sie ökologisch sehr wertvoll und gilt als Bodenverbesserer. Auch an der Optik wurde gefeilt. Für viele Vegetarier und Veganer ist es allerdings gar nicht reizvoll zum Bespiel Grillgut zu erhalten, das die Optik von Fleisch hat. Diese Optik ist eher etwas für angehende Fleischabstinenten.

 

 

Was verbirgt sich hinter deiner „Greenbag“?

Jeden Mittwoch gibt es bei uns fertig gepackte Obst-Gemüse-Taschen. Es gibt vier verschiedene Sorten: Family, Duo, Snacks (mit Rohkost) und reine Obsttaschen. Bis zum Donnerstag der Vorwoche geben unsere Kundinnen und Kunden ihre Bestellung auf und in der Folgewoche kann man seine Greenbag dann mittwochs abholen. In der Regel wird beim Abholen gleich für die kommende Woche bestellt.

 Woher stammen deine herrlich riechenden frischen Backwaren und was dürfen deine Kundinnen und Kunden im Sortiment erwarten?

Bei uns gibt es täglich frisch gebackene Brötchen vom Kartöpfelchen über Dinkelkrustiss bis zum Kamutbrötchen, alles was Ihr Herz begehrt. Der „Steinofenbäcker“ aus Ibbenbüren und „Schedel“ beliefern uns mit den vorgebackenen Brötchen. Diese sind auch tiefgekühlt zum Selberbacken erhältlich. Von der Vollkornbäckerei „Cibaria“ aus Münster werden wir mit frischem Brot und Brötchen beliefert. Neben dem vielfältigen Brot-sortiment, wie zum Beispiel dem Rüblilaib, 7-Korn-Schrotbrot, Joghurtbrot oder auch einem Bayernlaib, verwöhnen wir unsere Kundinnen und Kunden auch mit Leckereien wie Dinkelmond, Walnussschnitten, Käsekuchen oder verführerischen Trüffelvariationen.


 In der Frischetheke im Kühlregal finde ich bei dir eine gute Auswahl „wiesenfrischer“ Milchprodukte. Welchen speziellen Qualitätsanspruch hast du?

Zu einen achte ich darauf, auch für Vegetarier und Veganer eine gute und leckere Auswahl darzustellen. Zum anderen ist mir wichtig, auch an Allergiker (Gluten, Lactose, etc.) zu denken. Und natürlich lege ich hohen Wert darauf, dass die Produkte möglichst regional sind, also nur kurze Lieferwege haben. Das schont die Umwelt und stärkt unsere Region. Daher freuen wir uns sehr, dass wir das Gemüse von der Bioland Gärtnerei Weßling aus Neuenkirchen anbieten dürfen.

 

Wenn ich lernen möchte, lecker vegetarisch zu kochen, dann hilft
mir …?

… zum Beispiel das Magazin „köstlich vegetarisch“, das du bei uns im Laden findest. Im Herbst kommt eine Sonderausgabe „Vegetarisch, so geht´s.“ heraus. Da findest du bestimmt viele gute Anregungen für leckeres Kochen ohne Fleisch. Und wir geben auch immer gerne unsere persönlichen Erfahrungen weiter.

 

Dein Naturkosmetik-Sortiment bietet eine gute Auswahl „gesunder Wohlfühlprodukte für Kopf bis Fuß“. 
Worauf achtest du bei diesen Produkten?

Das Wichtigste vorab: Alle Produkthersteller verzichten auf Tierversuche. Unsere Produkte sind sind unter anderem von „Dr. Hauschka“ und sind somit frei von Kunststoffen und überwiegend vegan. Mit der Marke „Fair Squared“ haben wir „Nature-zertifizierte Naturkosmetik“ in wiederauffüllbaren Glastiegeln im Programm. Die leeren Pfandgläser kommen zu uns zurück und es folgen klimaneutraler Rückversand und Reinigung beim Hersteller. Dann werden die Tiegel neu befüllt und finden ihren Weg zurück ins Verkaufsregal. Dieses System habe ich auch für Gewürze und Hülsenfrüchte, Reis etc. eingeführt und es erfreut sich sehr großer Nachfrage.


 

 

 

 Ist „Bio“ eigentlich bezahlbar?

Wenn wir die richtigen Produkte kaufen, auf Fleisch zumindest teilweise verzichten und weniger Lebensmittel ungenutzt entsorgen, dann halte ich Bio für absolut bezahlbar. Aber es darf bei unserer Ernährung nicht allein ums Geld gehen. Jeder Mensch setzt seine eigenen Prioritäten. Wenn ich in einem Café 4,00 Euro für Milchkaffee bezahle, darf ich mich auch reflektieren, wenn ich Billigfleisch beim Discounter kaufe. Wir geben für viele Dinge sehr viel Geld aus. Und wenn unser Lieferant „Ölkännchen“ Olivenöl aus Handpflückung anbietet, weil die Saugernte bei Nacht im konventionellen Bereich tausende Vögel das Leben kostet, soll ich dann einen Euro sparen und ein Öl aus dieser Saug-

ernte kaufen? Es geht darum, was mir meine gesunde Ernährung und meine Umwelt wert sind. Das macht jeder Mensch mit sich selbst aus. Und es freut mich ganz persönlich sehr, dass unser Bewusstsein und der Blick für Natürliches und Gesundes wieder stärker wird.

 

Welchen Tipp kannst du unseren Leserinnen und Lesern, die keine „Bio-Profis“ sind, für eine gesunde Ernährung mit auf den Weg geben?

Mein ganz persönlicher Tipp:

Zum Frühstück ein gesundes Müsli mit einem Esslöffel Leinöl (reich an Omega3). Viel Obst und Gemüse. Nur einmal in der Woche Fisch oder Fleisch (oder gar nicht). Viel Bewegung und Pausen.