Kultur mit Axel Engels

Vorstellung des Trios Storno

Storno – ein Kult über die Grenzen des Münsterlandes hinaus

Einzeln sind sie schon ein Phänomen, als Trio dann ein kabarettistisches 

Naturereignis. Thomas Philipzen, Harald Funke und Jochen Rüther sind mit ihrem satirischen Jahresrückblick „Storno – die Abrechnung“ von Herbst bis Frühjahr seit über 15 Jahren ein fester Bestandteil der Kabarettszene, haben mit ihrer „Sonderinventur“ ein ebenso mitreißendes Pendant für die „wärmere“ Jahreszeit geschaffen. Sobald der Vorverkauf für eine ihrer Vorstellungen beginnt, kommt es zu einem Wettlauf um die begehrten Karten und sogar bei Ebay sind einige Fans schon fündig geworden. 

 

Thomas Philipzen ist ein schauspielerisches „Wunderkind“, das mit ausgefeilter Mimik und Gestik immer wieder das Publikum in seinen Bann zieht. Mit scharfem Verstand und bissiger Zunge nimmt er die Großköpfigen aus Politik und Wirtschaft aufs Korn, endet für ihn als ehemaliger Messdiener sein satirisches Betätigungsfeld natürlich nicht vor dem Kirchenportal. Konsequenterweise hat er sich daher die nahe Domstadt Münster als Heimatort gewählt. Kleinkunstpreise sammelt er wie andere Menschen Briefmarken und außer auf den Bühnen der bunten Republik kann man ihn bei Varietéshows, im 

Radio sowie Fernsehen erleben. Aber damit nicht genug, auch als Sprecher und Regisseur ist der umtriebige Künstler sehr erfolgreich.

 

Harald Funke ist der ungekrönte Schelm des Trios. Eigentlich wäre er wohl gerne ein seriöser Schauspieler geworden. Aber schon früh zeigte sich sein mit humoristischen Prisen gewürztes Können und verhinderte eine Schauspielkarriere. So wirkte dann auch sein gespielter Selbstmord bei der Aufnahmeprüfung an der Schauspielschule eben nicht zum Weinen, sondern entwickelte sich zum Angriff auf die Lachmuskulatur der Prüfer. Von da an war der Weg dann vorgezeichnet. 

Als Aushilfe schnupperte der damalige Soziologie-Student Bühnenluft bei der damaligen Kultformation „Kleine Mäxe“ um den Sozialarbeiter Jochen Rüther. Daraus wurde dann zum Vergnügen des Publikums mehr, vor drei Jahren feierte er mit seinem Weggefährten aus früheren Mäxe-Zeiten seine satirische Perlenhochzeit zum 30-jährigen Bühnenjubiläum. 

Er arbeitet außerdem als Regisseur für Theater- und Filmproduktionen, betätigt sich als Autor für den Hörfunk und aus seiner Feder entstammen zahlreiche Kinder- und Jugendtheaterstücke. 

 

Jochen Rüther betreute mit 50-Prozent-Stelle als Sozialarbeiter Wohngruppen, ansonsten widmete er sich voll und ganz dem politischen Kabarett. Mit dem Ensemble „Kleine Mäxe“ konnte er bundesweit seiner kabarettistischen Leidenschaft für frönen, natürlich zum ultimativen Vergnügen des Publikums und zum Verdruss seiner „Opfer“. Kleinbürgerliches Denken ist dem Denker mit humanistischem Hintergrundwissen fremd, seine Vorliebe für große Dramatik reicht bis in die griechische Mythologie. Mit Zahlen weiß er zu jonglieren wie nur wenige Vertreter seiner Zunft und mit seinem trockenen Humor zaubert er immer ein Lächeln ins Gesicht seines Gegenüber. 

 

Die Rollen im Trio sind bei „Storno“ nicht fest in Marmor gemeißelt, aber jeder Protagonist hat natürlich seine ganz speziellen Vorlieben. Quirlig und leicht technikvernarrt agiert Thomas Philipzen. Wie ein Schnellfeuergewehr verteilt er seine kabarettistischen Attacken und trifft doch immer genau ins Schwarze. Aber er kann auch anders. Wenn er in Zeitlupe das Gesicht verzieht und den Körper zu unmöglichen Verrenkungen zwingt, macht er sogar Jaques Tati Konkurrenz. 

Harald Funke, der mit leicht verschrobenem Verständnis der Realität seine beiden Partner fast zur Verzweiflung bringt, ist in seiner tiefen Verehrung für „Angie“ unschlagbar. Aber seine passende Perücke muss er wohl einmotten, denn sein Vorschlag zur Wiedereinführung der Monarchie mit anschließender Krönung seiner Angebeteten wurde ja vom Berliner Parlament nicht aufgegriffen. 

 

Gelegentlich schaffen es diese beiden sympathischen Herren, sogar Jochen Rüther aus der Fassung zu bringen. Der bewahrt eigentlich immer seine Contenance, weiß als akademischer Kopf des Trios mit geschickt eingeworfenen Hintergrundinformationen zu glänzen. Wenn diese Künstler dann das heilige Gebiet der Musik betreten, ist vor ihnen nichts mehr sicher. 

 

Thomas Philipzen an der Gitarre und Harald Funke am Bass vertreten die Saitenfraktion und Gitarrenfront und Jochen Rüther unterlegt alles am Klavier mit den passenden Harmonien. Wehe nur, wenn Harald Funke zur Blockflöte greift. Die wird in seinen Händen dann eher als Waffe für jedes musikverständliche Ohr. 

So reisen sie durch die Niederungen aus Rock und Pop, versehen alles mit politisch eingefärbten Texten und zeigen auch auf diesem Gebiet ihr Kultpotential.